Resolution: Industriestraße soll reines Gewerbegebiet bleiben

In der Stadtverordnetenversammlung am 21.06.21 wurde auf gemeinsamen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen, FWG, SPD und Stadtverordneten Schallmayer (LF) beschlossen, das Gewerbegebiet „Industriestraße“ auch künftig als reines Gewerbegebiet zu bewahren und dementsprechend zu fördern. Die planungsrechtliche Änderung in Richtung Wohn- oder Mischgebiet und damit verbundener Wohnungsbau, auch in Teilbereichen, wird nicht zugelassen

Unsere Begründung:

Das Gewerbegebiet in der Industriestraße ist aktuell Gegenstand von Grundstücksspekulationen der Eigentümer. Diese verhindern die positive Entwicklung des Gewerbegebiets. Denn einzelne Grundstückseigentümer vertrauen darauf, den Wert ihres Grundstücks durch Wohnbebauung irgendwann versilbern zu können. Das sei eine Frage der Zeit.

Nur wieso sind sich diese Grundstückseigentümer dessen so sicher? Es sind Akteure der Friedrichsdorfer Kommunalpolitik, die Nutzungen – jenseits des Gewerbes – immer wieder ins Spiel bringen:

So konnten wir einer Wahlkampfbroschüre zur Kommunalwahl 2016 entnehmen, dass auf dem Grundstück der Milupa-Teefabrik bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden sollte. Die Idee verschwand auch nicht in der Schublade, sondern wurde in der letzten Wahlperiode immer mal wieder – am deutlichsten 2018 im Zusammenhang mit der Diskussion um die Berliner Straße – hervorgeholt.

Auch im Rahmen des Bürgermeisterwahlkampfs 2021 erreichte der Vorschlag zu einem Mischgebiet das Herz der Grundstückseigentümer.

Warum ist der FWG – die sich auch sehr stark für bezahlbaren Wohnraum einsetzt – das Gewerbegebiet in der Industriestraße so wichtig?

Das hat zwei Gründe:

Zum einen braucht Friedrichsdorf Gewerbeflächen für Neuansiedlungen und Expansionsbestrebungen, zum anderen sind in dem Gewerbegebiet Industriestraße namhafte Unternehmen zu Hause. Verschärfte Auflagen für niedrigere Immissionsschutzwerte zögen ungeplante Investitionen bis hin zu Wettbewerbsnachteilen nach sich.

Das Metallverarbeitende Unternehmen Arnold AG zum Beispiel, hat in der Industriestraße mehr als 200 Beschäftigte. Ein Fünftel von Ihnen wohnt auch hier.

Auch im unteren Teil sind Betriebe zu Hause, bei denen es nicht immer ruhig zugeht. Beispielhaft erwähnt seinen ein Karosseriebauer und ein traditionsreicher Dachdeckerbetrieb.

Für die Unternehmensentwicklung der Arnold AG – und auch der umliegenden Unternehmen – ist es wichtig, nicht ständig mit anderen Rahmenbedingungen rechnen zu müssen. Und wir wollen, dass sich die Firmen in der Industriestraße nachhaltig entwickeln können.

Nun könnte man meinen, dass die Unternehmen vielleicht Bestandsschutz genießen würden, egal was um sie herum passiert. Dem ist jedoch nicht so, wenn es um Fragen des Immissionsschutzes geht.

Ein trauriges Beispiel sind in diesem Zusammenhang die Tettauer Glaswerke: Dort, wo jetzt das Wohngebiet Waldkristall ist, wurden hier bis 2002 Glasprodukte für den medizinischen Sektor produziert. Ein Arbeitgeber mit 130 Arbeitsplätzen. Die Abwärme der Produktion diente unter anderem der Beheizung des Freibades.

Dass ein derartig etabliertes Unternehmen in Friedrichsdorf seine Tore schloss, ist unter anderem auch Nachbarschaftskonflikten geschuldet. Die Kläger hätten beim Einzug in die Häuser in der Madame-Blanc-Straße erkennen können, dass sie in die Nähe einer Glasfabrik ziehen.

Wir wollen nicht, dass Firmen in der Industriestraße ein ähnliches Schicksal erleiden.

Warum betrifft die Resolution das Gewerbegebiet Industriestraße – nicht hingegen andere Areale?

Auch das hat einen Grund: Die anderen Gewerbegebiete sind nicht in gleichem Maße Gegenstand von Grundstücksspekulationen. Und auch nicht von Veränderungsideen aus dem politischen Raum.

Das Bekenntnis für das Gewerbegebiet und für die Firmen in der Industriestraße schafft Klarheit. Klarheit für ansässige Unternehmen, aber auch Klarheit für Grundstückseigentümer. Leerstand nützt niemandem. Die Friedrichsdorfer Firmen können wachsen. Das ist den Mitgliedern der FWG wichtig.